IuD

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Definition

Information und Dokumentation (IuD) sind die beiden zentralen Begriffe der Informationswissenschaft.
Grundsätzlich muss eine Nachricht, um zu einer Information zu werden für den Empfänger neu, zweckdienlich und verständlich sein.

Innerhalb der IuD entspricht die Information sowohl der Grundlage als auch dem Ziel. Die Dokumentation ist der Weg. Ein Mensch kommt also am schnellsten und leichtesten an Informationen, wenn das Gebiet, über das er sich informieren will, gut dokumentiert ist.
Dementsprechend beinhaltet das Tätigkeitsfeld innerhalb der IuD zwei Aspekte:
Zum einen das Sammeln, Erfassen, Erschließen, Ordnen und Speichern von Dokumenten und Informationen. Zum andern das (Wieder-)Aufsuchen, Ermitteln, Nachweisen und Vermitteln der in den Dokumenten enthaltenen Informationen (Information Retrivial).

Eine aktuelle Definition von Information und Dokumentation finden wir bei Seeger (1997). Seeger unterteilt die „Informationsarbeit“ in drei Bereiche:

  • Eingabe/Input,
  • Darstellung und Aufbereitung
  • Ausgabe/Output.

Input umfasst dabei die Sichtung, Auswahl, Beschaffung, formale und inhaltliche Erschließung und Speicherung von Informationen.

Die Darstellung und Aufbereitung beinhaltet die Speicherung der Daten etwa in Datenbanken, Online-Diensten, usw. oder auch deren Zusammenfassung, Verdichtung und Umsetzung der Wissensquellen in andere Darstellungsformen und -medien (siehe auch "Medienarten").

Der Output schließlich ist die Weitergabe, Nutzung, Vermittlung und Vermarktung der Informationsprodukte.

Die Hauptaufgabenfelder der IuD beziehen sich auf Fachinformationen aus den Bereichen

  • der Naturwissenschaften,
  • der Medizin,
  • der Technik, aber auch
  • Wirtschaft, Recht und Verwaltung.

Mehr dazu siehe Fachinformationszentren (FIZ)

Begriffserklärung

Der Begriff „Information“ ist zwar allgemein verständlich, jedoch ist es schwierig, ihn zweckmäßig und allgemein gültig zu definieren.
Jede der sieben folgenden Definitionen hat ihre Berechtigung und ist für jeweils unterschiedliche Aufgaben zweckmäßig.[1]

Information als Struktur (structure approach)

Die Welt (im weitesten Sinne) und die Dinge und Sachverhalte in der Welt sind nicht eine amorphe Anhäufung, sondern strukturiert. Die Struktur der Dinge stellt einen Informationsgehalt dar. Information ist also Strukturierung, und umgekehrt stellt jede Struktur eine Information dar. Diese Definition von Information wird in der Philosophie verwendet.

Information als Erkenntnis (knowledge approach)

Jetzt gelten nur noch solche Strukturen als Informationen, die ein Mensch erkannt hat. Sachverhalte und Strukturen, die unerkannt sind, stellen keine Informationen dar. Diese Definition wird u.a. in der Entscheidungstheorie benutzt.

Information als Signal (signal approach)

In der Nachrichten- und Computertechnik ist das Modell Sender - Übertragungskanal - Empfänger detailliert entwickelt. Ein Signal wird vom Sender auf den Übertragungskanal gegeben, zum Empfänger geleitet und dort empfangen. Dasselbe Modell kann anstelle der Informationsübertragung (von Ort zu Ort) auch für die Informationsspeicherung (Übertragung von einem Zeitpunkt auf einen späteren) verwendet werden: schreiben (Eingabe) - speichern - lesen (Ausgabe)


Information als Nachricht (message approach)

Das, was beim Empfänger aus dem Übertragungskanal ankommt, nennt man Signal. Die Bedeutung des Signals wird als Nachricht bezeichnet.


Information als verstandene Nachricht (meaning approach)

Für Information als Nachricht reicht es aus, wenn physikalisch-technische Codierungsregeln vereinbart werden. Für ein wirklich inhaltliches Verstehen der Nachricht sind aber weitere Voraussetzungen notwendig, insbesondere eine gemeinsame Sprache und ein nicht zu unterschiedlicher Wissenstand. Im täglichen Leben und auch in der Dokumentation wird meist diese Definition von Information verwendet.


Information als Wissensvermehrung

Jetzt werden nur noch solche verstandenen Nachrichten als Information gewertet, die dem Empfänger nicht bereits schon bekannt waren, die für ihn neu sind. Information ist also nur gegeben, wenn eine ankommende Nachricht den Informationsstand beim Empfänger verändert. Allerdings ist eine weitere Bestätigung eines (möglicherweise zweifelhaft) vorhandenen Wissens ebenfalls Information im Sinne dieser Definition.
Verwendet wird diese Definition vorwiegend im Bildungswesen.


Information als Vorgang (process approach)

Dabei werden die Vorgänge der Informationsgewinnung, Informationsübertragung, Informationsverarbeitung und Präsentation von Information selbst als Information bezeichnet.

Geschichtlicher Abriß

"Es liegt im natürlichen Verlangen des Menschen, durch Vollständigkeit und Systematik Vollkommenheit zu ereichen, d.h. alle Sachverhalte zusammenzuführen und jeder Sache einen bestimmten Platz in einem Werte- und Ordnungssystem zuzuweisen."[2]

Dies war wohl auch der Grundgedanke, den Paul Otlet und Henri La Fontaine verfolgten als sie 1895 das "Office International de Bibliographie" gründeten. Ihr Ziel war es, eine universelle Bibliothek des "Weltwissens" zu schaffen - das Mundaneum. In einem ausgeklügelten Karteikartensystem waren über 15 Millionen Werke handschriftlich verzeichnet und nach Themengebieten geordnet. Wer eine Frage hatte, sandte einen Brief an das Mundaneum, wo Bibliothekare sich durch den Superkatalog wühlten, um die Anfrage zu beantworten - handschriftlich und per Post.
Paul Otlet war es auch, der in dieser Zeit den Begriff der "Dokumentation" als Sammlung, Ordnung und Nutzbarmachung von Dokumenten aller Art prägte. Trotzdem ist Otlet auch in Fachkreisen fast unbekannt. Wenn es um die Frühgeschichte des world-wide-web geht, beginnen die Meisten mit dem amerikanischen Wissenschaftler V. Bush und seinem Artikel "As we may think"; dieser erschien allerdings erst 1945. [3][4]

In Folge der Entwicklung der Dokumentation wurden auch in Deutschland verschiedene Organisationen, wie die "Gesellschaft für Dokumentation (DGD)" und deren Fachzeitschrift "Nachrichten für die Dokumentation (NfD)" gegründet.
1957 erfolgte der sog. "Sputnik-Schock", nachdem die Sowjetunion es als Erste schaffte, einen künstlichen Satelliten ins All zu schicken. Amerika und dem westlichen Europa wurde bewußt, dass die technischen und wissenschaftlichen Kapazitäten der Sowjetunion größer waren als zunächst von ihnen eingeschätzt. Man gelangte zu der Überzeugung, dass es die zentrale Art der Verwaltung und Sammlung von Informationen war, die der Sowjetunion den technischen Vorsprung ermöglicht hatte.
Jetzt kam es, auch von staatlicher Seite, erstmals zu einer Art von "Bewusstseinsbildung" über die Bedeutung von organisierter Informationsbereitstellung. Verstärkt wurde diese neue Bewusstseinsbildung durch den 1963 in den USA verfassten "Weinberg-Report", in dem Weinberg, ein amerikanischer Atomphysiker und wichtiger Regierungsberater, die Verbesserung der Informationsvermittlung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit forderte.

Auch in der Bundesrepublik wurde in dem 1962 erstellten Gutachten des Präsidenten des Bundesrechnungshofes die Dokumentation als Mittel der Leistungssteigerung in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung bezeichnet.
Folgerichtig wurde die Organisation der Informationsvermittlung als staatliche Aufgabe erkannt und Vorstellungen von einem nationalen Dokumentationsnetz entwickelt. Informationspolitik war somit etablierter Bestandteil des staatlichen Handelns geworden.
Infolgedessen wurden unterschiedliche Programme zur Förderung der IuD - insbesondere das "Programm der Bundesregierung zur Förderung der Information und Dokumentation" (1974-1977) - entwickelt, sowie einige der großen "Fachinformationszentren (FIZ)" aufgebaut. [5]
Zum Teil werden diese Einrichtungen bis heute staatlich finanziert oder gefördert, teilweise besteht auch eine vollständige Eigenfinanzierung.

Quellen

Ilse Harms : Virtuelles Handbuch Informationswissenschaft

  1. Gaus, Wilhelm : Dokumentations- und Ordnungslehre ; Theorie und Praxis des Information Retrieval ; 5., überarb. Aufl. ; Berlin [u.a.] , Springer , 2005
  2. Gaus, Wilhelm : Dokumentations- und Ordnungslehre ; Theorie und Praxis des Information Retrieval ; 5., überarb. Aufl. ; Berlin [u.a.] , Springer , 2005
  3. Wikipedia Paul Otlet
  4. Spiegel Online Vater der Zettelsuchmaschiene
  5. BMBF Information vernetzen Wissen Aktivieren